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07. September 2017

„Die Kinder sollen wieder für das Leben lernen!“

Was in den letzten Jahrzehnten auch immer als „tolle Reformen“ verkauft worden ist, habe sich in der Realität als "Akte der Schulzerstörung" erwiesen.

Der freiheitliche Lehrervertreter Josef Pasteiner erläutert im NFZ-Interview die Gründe für die aktuellen Probleme im österreichischen Schulsystem und skizziert die freiheitlichen Vorschläge zur Lösung dieser von SPÖ und ÖVP verschuldeten Misere.

NFZ: Herr Professor Pasteiner, wie beurteilt ein langjähriger Gymnasiallehrer die Reformbestrebung der rot-schwarzen Koalition im Bildungsbereich?

Pasteiner: Was in den letzten Jahrzehnten auch immer als „tolle Reformen“ verkauft worden ist, hat sich in der Realität als Akte der Schulzerstörung erwiesen. Beginnend mit Kürzungen der wöchentlichen Unterrichtszeit in vielen Fächern, dem vermeiden des „Sitzenbleibens“ bis hin zur Degradierung der Rechtschreibung zur Nebensache. Organisatorisch umgesetzt hat man das mit der „Neuen Mittelschule“ (NMS), die sich teurer als die Hauptschule, aber mit einem geringeren Lernniveau erwiesen hat. Und jetzt soll mit einer niveaulosen Gesamtschule auch noch die letzte Bildungshochburg, das Gymnasium, geschleift werden – und die ÖVP-dominierte Lehrergewerkschaft schweigt.

NFZ: Woran hapert es im österreichischen Bildungssystem?

Pasteiner: Die Lehrpläne haben seit 14 Jahren hauptsächlich nur noch didaktische Inhalte und sind sehr kurz formuliert. Dies war offensichtlich die Antwort der Politik auf die ständigen Forderungen von „Schulexperten“ und Medien, die Lehrpläne zu „entrümpeln“. Engagierte Junglehrer können sich kaum noch daran orientieren, während sich linke Kuschelpädagogen darüber freuen. Dazu kam das 2013 von den Lehrern heftig bekämpfte neue Dienstrecht und die neue Lehrerausbildung. Die Lehrer müssen seither mehr unterrichten, bekommen dafür aber weniger bezahlt. Gleichzeitig wurden die hochqualifizierten Spezialausbildungen für die verschiedenen Schultypen und Fächer abgeschafft und stattdessen gibt es eine verkürzte „Allrounder-Ausbildung“. Nach einer vierjährigen Bachelorausbildung müssen alle Junglehrer schon voll unterrichten und „berufsbegleitend“ nur noch ein zweisemestriges „Masterstudium“ absolvieren.

NFZ: Was müsste passieren, um das heimische Bildungssystem wieder auf Vordermann zu bringen?

Pasteiner: Eine verantwortungsbewusste Schulpolitik heißt Schluss mit der Gesamtschul-Diskussion. Dazu braucht es keine „Pilotprojekte“. Ein Blick nach Deutschland zeigt, dass dieser Schultyp gescheitert ist. Unser differenziertes Schulsystem hat sich bis zum „Schulversuchswahn“ nach der Jahrtausendwende bestens bewährt. Im „Freiheitlichen Schul- und Bildungsprogramm“ sind unsere Vorschläge aufgeführt, von der Verbesserung der Lehrerausbildung bis hin zu neuen Lehrplänen, damit die Schüler wieder „für das Leben“ lernen. Damit sie das auch schaffen, sollten sie über ausreichende Deutschkenntnisse bereits vor Eintritt in den Regelunterricht verfügen.

NFZ 07.09.2017


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